Striemen, Stränge

Striemen, Stränge

Dämmergrau belichtet die Sonne. Vor dem verglimmenden Himmel höhlt
Schnee Straßen aus und zerschneidet Neonlicht. Eis umhüllt Bordsteige;
Frost reizt die Nasenflügel.

Schau, der Tag zeichnet den Fluss erst. Verweht den Nebel,
wirft zerfetzte Fasern und Schuppen, Fischblasen ans Ufer.
In der Luft reibt sich noch Bleigeschmack, Scheiben bersten;
Knochen brechen die Erde auf wie Pflanzentriebe. Deshalb der Zerfall,
all diese Dinge schreibst du aufs Neue; tote Seen,
zerrissene Gespanne. Der Ort in mir, er geht unter der Haut auf
wie Schimmelteig. Vielleicht müssen die Stiche vernäht werden,
die Ränder zugenäht. Ehe Schorf sich zu Worten fügt,
schleift Blut die Messer. Kälte zerreißt Stränge;

schau, der Tag zeichnet den Fluss erst. Der Schmerz nach dir
vernarbt, trocknet auf dem Bauch, verblasst, verwächst.

übersetzungen: Ursula Kiermeier

Joanna Lech

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