Gezeit

Gezeit

Wir liegen da wie Steine, also kann ich uns Ufer nennen.
Die Stille geht unter die Haut wie ins Papier, die Lider schwellen auf.
Adern platzen. Wir haben die gleichen Symptome, und einen Augenblick lang
sind wir einander nah, genauso zerschlagen, verklebt wie Sirup und bitter.
Wir ertrinken im kalten Licht; der Schmerz in den Rippen pulsiert
und verlischt. Das sind nur Schauder, Blitze an den Beugen.
Narben, die nur Haut bedeuten.

Wenn die Wärmespur nach außen dringt, erstarrt sie
wie dein Gesicht; in dem Augenblick, wenn du dich umdrehst. Und man sieht –
was in dir brütet, will nicht kleinbeigeben. Es sackt zusammen,
verfault, wird fremd; kalt wie Messer, stumpfe Rasierklingen,
verbogene Schneiden.

übersetzungen: Ursula Kiermeier

Joanna Lech

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